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Afoxé Loni nimmt zum letzten Mal am Karneval teil – nicht ohne Grund!

26.05.2011 von Forum Brasil

 

Vielleicht habt ihr, liebe Leser, es schon mitbekommen:

Die Gruppe Afoxé Loni, die auf der Kooperation vom Forum Brasil e.V. und Musik und Tanz ohne Grenzen e.V./Percussion Art Center und insbesondere den Leitern der Gruppe Krista Zeißig, Murah Soares und Dudu Tucci fußt, und seit 15 Jahren den Berliner Karneval der Kulturen anführt, verabschiedet sich mit ihrer letzten Teilnahme am Umzug am 12. Juni 2011 – nicht ohne Grund!

Afoxé Loni ist, wie die meisten anderen teilnehmenden Gruppen, mit dem Geld und der Arbeit einiger weniger Menschen entstanden. 1996 begann das, was Berliner und zahlreiche Touristen aus Deutschland und Europa heute als Karneval der Kulturen kennen, als eine kleine Demonstration. Bereits ein Jahr später war Afoxé Loni mit dabei. Mit dem Anwachsen des Karnevals und der Zahl der Teilnehmer wurden die Kosten für die Gruppen immer höher. Auch heute noch zahlt jede Gruppe ihre Wagen, Kostüme, anfallende Gebühren, Probenräume und Technik aus eigener Tasche oder versucht sich über Sponsoren zu finanzieren. Doch trotz der Bemühungen auch des Karnevalsbüros um ausreichend Sponsoren, gehen viele Gruppen jährlich beinahe leer aus und müssen anfallende Kosten aus eigener Tasche bezahlen

Dabei ist der Karneval der Kulturen in Berlin mittlerweile so berühmt, dass er zahlreiche Touristen anzieht, die bei dem Spektakel dabei sein möchten – und genau hier liegt das Problem. Während die Stadt Berlin, die Stadtreinigung, Hotels, Gastronomie und viele andere vom Karneval der Kulturen profitieren, gehen die eigentlichen Protagonisten, die umherziehenden Gruppen, die in mühsamer Arbeit wunderschöne Kostüme gebastelt, Choreographien einstudiert und organisiert haben, leer aus und müssen sogar noch einiges draufzahlen.

Und ja, Berlin, die Multikulti-Stadt, bessert mit dem bunten Umzug auch noch ihr Image auf. Dabei gerät der Zweck der Veranstaltung jedoch in den Hintergrund. Die sich präsentierenden Gruppen sind nämlich nicht einfach “exotische” Clowns, die die Massen unterhalten sollen. Sie sind im alltäglichen Leben Teil der Stadtkultur, der Arbeits- und Lebenswelten von Berlin. Berlin ist bunt – Das soll der Karneval zeigen. Wenn genau diese Leute im Rahmen der Integrationsdebatte behandelt werden, als würden sie gar nicht zur Gemeinschaft gehören und ihr kultureller Beitrag kaum gewürdigt und stattdessen nur ausgenutzt wird, dann läuft doch etwas falsch.

Afoxé Loni und ihre Begründer und Leiter – Krista Zeißig, Dudu Tucci und Murah Soares – haben sich nach 15 Jahren ehrenamtlicher Arbeit entschlossen, in dieser großen Maschinerie nicht mehr mitzulaufen und sich gemeinsam mit Afoxé Loni auf eigene Projekte zu konzentrieren. Denn der Karneval der Kulturen raubt den Machern jedes Jahr viel Kraft und Energie, die sie zukünftig für “sinnvollere” Arbeit einsetzen möchten.

Wenn ihr euch für Afoxé Loni und sein Anliegen interessiert, könnt ihr Näheres in der offiziellen Presseerklärung von Afoxé Loni vom Freitag, den 20.05.2011 nachlesen und diese natürlich auch herunterladen und weiterleiten.

Glücklicherweise blieb das Anliegen von Afoxé Loni nicht ungehört und könnte vielleicht sogar zum Umdenken in der Kulturpolitik der Stadt Berlin führen. Nachdem in den letzten Tagen einige Zeitungen und Radiostationen über den Karneval der Kulturen, Afoxé Loni und die Probleme der Karnevalsgruppen berichteten, die Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales Carola Bluhm zu einer Gesprächsrunde zum Thema Finanzierung des Berliner Karnevals mit Vertretern aus Wirtschaft und Politik einladen wird und der Grüne Bezirksbürgermeister von Friedrichshain-Kreuzberg Franz Schulz sich ebenfalls zu dem Skandal äußerte, sind wir – das Forum Brasil, das PAC Percussion Art Center und der dahinter stehende Verein Musik und Tanz ohne Grenzen e.V. und Afoxé Loni – voller Hoffnung auf eine bessere Unterstützung der Gruppen im Karneval der Kulturen. Wir freuen uns, dass der Karneval in diesem Jahr nicht nur eine bunte Parade ist, sondern auch eine Aussage vertritt und die Probleme der Protagonisten im Berliner Karneval der Kulturen nicht wie sonst in den Hintergrund rücken. Wenn ihr einzelne Gruppen finanziell oder mit Sachspenden unterstützen möchtet, dann könnt ihr euch auf der Website vom Karneval der Kulturen oder beim Karnevalsbüro der Werkstatt der Kulturen über benötigte Mittel der verschiedenen Gruppen informieren. Auch Afoxé Loni freut sich wie immer über Unterstützung!

Afoxé Loni bedankt sich bei allen Teilnehmern, ehrenamtlichen Mitarbeitern und dem Karnevalsbüro der Werkstatt der Kulturen für die Zusammenarbeit in den letzten Jahren. Alle sind herzlich eingeladen in diesem Jahr ein letztes Mal beim großen Umzug dabei zu sein. Wer gerne mitlaufen möchte, kann sich bei Dudu Tucci für den vorhergehenden Workshop und den Umzug anmelden.


 

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8 Responses to “Afoxé Loni nimmt zum letzten Mal am Karneval teil – nicht ohne Grund!”

  1. Vassili schreibt:

    Liebe Macher von Afoxé Loni,

    Ich finde es schade, dass Ihr dieses Jahr zum letztem Mal auf dem Karneval der Kulturen zu erleben seid, aber ich kann Eure Argumente in Zukunft nicht mehr mitzumachen, sehr gut nachvollziehen. Hoffentlich wird Eure Entscheidung einige Leute wachrütteln!

  2. Stefan Lau schreibt:

    als ich vor ein paar Jahren beim Karneval dabei war sah ich eine Gruppe die aus einem Wagen bestand von dem Technomusik ballerte, dazu tanzten Jugendliche die sich Unterhosen über den Kopf gezogen hatten. Da wurde mir klar dass sich der Karneval weit von der Ursprungsidee zu entfernt hatte.
    Ich würde mir wünschen dass es wieder mehr Klasse statt Masse gibt, nur Gruppen zugelassen werden die auch eine Aussage im Sinne des Karneval haben und natürlich dass die Gruppen auch finanziell gefördert werden.
    Ich hoffe dass der Ausstieg von Afoxè Loni die Diskussion dazu anstößt.
    Falls sich nichts ändert denke ich dass es andere Möglichkeiten gibt wo Afoxè Loni auftreten kann und wo das Engagement gewürdigt und honoriert wird.
    Aber vielleicht gibt es ja auch einen Wandel beim Karneval, “back to the roots”……

  3. Mahide v. AHOI artists+events schreibt:

    das finde ich seeehr schade, daß Ihr nicht mehr unser Zug-Pferdchen seid, eine wunderschöööööne Performance mit AFOXÉ-LONI—>!
    Aber ich verstehe seeeehr gut Eure Gründe.
    es ist ein großes TamTam für Berliner Kommerz, und viel viel Arbeit von den KünstlerInnen, die den kleinsten Lohn bzw. keinen Etat dafür bekommen. Jeder Bratwurst-Verkäufer bekommt mehr Geld als wir… mit dem focking Idealismus.
    All the Best for you + us!
    Mahide

  4. peeka schreibt:

    Hallo,

    ich habe den Karneval der Kulturen zwar nie als Demonstration verstanden und möchte auch keinen Förderantrag an einen Fonds stellen, aber ich kann absolut nachvollziehen, dass Ihr keine Lust mehr habt.
    Ich nehme ja auch schon seit 2005 teil, und fast immer ist an mir selbst die meisten Kosten und die gesamte Organisation hängen geblieben.

    Eine Lösung sehe ich eher darin, mehr Sponsoren für den Karneval und direkt für die Gruppen zu akquirieren.

    Enttäuscht bin ich vor allem vom rbb, der – nachdem er radioMulikulti platt gemacht hat – anscheinend immer weniger Interesse am KdK hat. Dadurch lässt die Aufmerksamkeit natürlich nach, was wiederum dazu beiträgt, dass es noch schwieriger wird, Sponsoren zu finden.

    An der Stelle kann ja vielleicht die WdK noch mehr tun.

    Bis Pfingsten,
    Peter

  5. Bianca schreibt:

    Was wäre die Zukunft ohne Vergangenheit?
    Was wäre die Welt ohne Vielfalt?
    Was wäre ein Mensch ohne Glauben?
    Was wäre ein Lied ohne Stimme?
    Was wäre ein Sommer ohne Sonne?

    Was wäre der Karneval der Kulturen ohne Afoxé Loni?

    Berlin hat nur zu verlieren.
    Ich hoffe, das lässt sich noch ändern.

    lg, Bia

  6. Pia schreibt:

    wenn sich alle Karnevalsgruppen weigern, dann wird es kein Karneval mehr geben.
    Danach wird es erst interessant die Reaktionen verschiedener Stellen zu sehen.
    Ich denke Berlin wird nicht auf Karneval verzichten wollen.

    Auf wiedersehen
    beim Karneval

  7. Jane Pantke schreibt:

    Liebe Krista, lieber Murah, lieber Dudu!

    Wir, Roland und ich, können leider dieses Jahr nicht bei Euch mitmachen. Wir, unsere Freunde und Kinder, werden Euch bei den zukünftigen Karnevals sehr vermissen! Und ich denke, die Bewohner der Stadt Berlin und ihre vielen Touristen ebenfalls.
    Mögen Eure Bemühungen, politischen Aufwind in die Karnevalspolitik zu bringen, von Erfolg gekrönt sein!

    Einen guten Umzug und viel axé für Euch und die Stadt

    wünschen Euch

    Jane und Roland

  8. Stefan schreibt:

    so wie es aussieht wird es wohl keine Veränderung geben, eine andere Gruppe wird gerne als erstes vorneweg marschieren und es wird mehr und mehr eine Mischung aus Loveparade und Karneval sein. Masse statt Klasse! Der Grundgedanke ist dabei schon lange volkommen egal. . . . .

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